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Neuer Trend: Dünger aus grünem Wasserstoff

Künstlicher Dünger (auch: synthetischer Dünger) ist sehr wichtig für die moderne Landwirtschaft. Aber er wird heftig diskutiert, weil er Umweltprobleme macht.

Vor über 100 Jahren wurde das sogenannte Haber-Bosch-Verfahren erfunden. Damit kann man Ammoniak herstellen – eine wichtige Zutat für künstlichen Dünger. Dadurch konnten mehr Lebensmittel produziert werden. Aber das hat auch schlechte Folgen:

  • Verschmutztes Wasser
  • Schlechtere Böden
  • Viele klimaschädliche Treibhausgase

In vielen Ländern in Afrika wird noch wenig künstlicher Dünger genutzt. Gleichzeitig haben dort viele Menschen zu wenig zu essen. Manche sagen: Afrika soll mehr Dünger benutzen, wie andere Kontinente. Andere sagen: Das ist keine gute Lösung.

Jetzt wird über eine neue Art von Dünger gesprochen: Grüner Dünger. Dieser wird mit grünem Wasserstoff hergestellt – also ohne fossile Energie. Das soll besser für das Klima sein. Aber: Ist dieser Dünger wirklich umweltfreundlich?

Warum ist künstlicher Dünger wichtig?

Das Haber-Bosch-Verfahren wurde 1913 zum ersten Mal von der Firma BASF genutzt. Zuerst wurde das Ammoniak daraus für Sprengstoff im Krieg verwendet. Später wurde es für Dünger verwendet. Heute wird sehr viel künstlicher Dünger benutzt, besonders Dünger mit Stickstoff. Das sorgt schnell für große Ernten. Doch der viele Dünger schadet langfristig der Umwelt – Böden, Wasser und Klima leiden darunter.

In Europa, Nord- und Südamerika steigt der Düngereinsatz nicht mehr. Das ist besser für das Klima und den Bodenschutz. In Afrika ist es aber anders:
Dort versuchen Regierungen und Hilfsorganisationen seit 20 Jahren, mehr Dünger einzusetzen – vor allem bei kleinen Bauern und Bäuerinnen.
Sie bekommen dafür oft Geldhilfen und Förderungen.
Auch Firmen, die Dünger herstellen, arbeiten mit.
So kommt Dünger selbst in abgelegene Dörfer.

Das hat aber auch Probleme gebracht:

  • Viele kleine Bauern und Bäuerinnen sind jetzt abhängig vom Dünger.
  • Die versprochenen Verbesserungen sind nicht eingetreten.
  • Die Zahl der Hungernden ist trotzdem gestiegen.

Dazu kommt: 
Künstlicher Dünger ist oft nicht nachhaltig.

  • Nur die Hälfte des Düngers kommt bei den Pflanzen an.
  • Der Rest landet im Boden oder Wasser und schadet der Umwelt.
  • Ein Teil der geernteten Lebensmittel wird verschwendet, an Tiere verfüttert oder für Biosprit benutzt.

Darum wird künstlicher Dünger heute von vielen Menschen kritisch gesehen.

Grüner Wasserstoff – Eine Lösung für das Klima?

Der Klimawandel und der Krieg in der Ukraine haben gezeigt: Die Welt braucht neue Wege für saubere Energie. In Deutschland setzt die Regierung deshalb auf grünen Wasserstoff.
Grüner Wasserstoff wird mit Strom aus Wind oder Sonne hergestellt. Das ist gut fürs Klima, weil dabei kein CO₂ entsteht. Er kann in der Industrie, beim Verkehr oder auch in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Was macht die deutsche Regierung?

Deutschland hat ein Programm mit dem Namen „H2-diplo“ gestartet. Dabei arbeitet das Auswärtige Amt mit anderen Ländern zusammen. Ziel: Eine weltweite Wasserstoffwirtschaft aufbauen.

Die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) hat dazu in verschiedenen Ländern sogenannte Wasserstoff-Büros eröffnet. Diese sollen helfen, neue Projekte mit grünem Wasserstoff zu gründen.
Ein Schwerpunkt ist dabei die Landwirtschaft in Afrika und Südamerika.
Hier soll mit grünem Wasserstoff „grüner Ammoniak“ hergestellt werden – also umweltfreundlicher Dünger.

Warum ist das wichtig?

Die Herstellung von synthetischem Dünger braucht viel Energie. Das verursacht über zwei Prozent der weltweiten Treibhausgase – mehr als der gesamte Flugverkehr!

Ein Großteil dieser Emissionen entsteht beim sogenannten Haber-Bosch-Verfahren, das sehr viel Erdgas verbraucht.
Später, beim Düngen der Felder, entsteht zusätzlich Lachgas – ein Gas, das bis zu 265-mal klimaschädlicher ist als CO₂.

Probleme mit synthetischem Dünger

Synthetischer Dünger lässt Pflanzen zwar schnell wachsen, hat aber viele Nebenwirkungen:

  • Er schadet dem Boden, weil er die Bodenlebewesen tötet.
  • Die Qualität der Pflanzen wird oft schlechter.
  • Er kann das Wasser verschmutzen, wenn zu viel Dünger in Flüsse oder Grundwasser gelangt.
  • In manchen Ländern – z. B. in Kenia – sind schon Tiere gestorben, weil sie verunreinigtes Wasser getrunken haben.

Außerdem werden viele Bauern und Bäuerinnen abhängig:

  • Sie brauchen Dünger, Pestizide und spezielles Saatgut – alles oft von großen Konzernen.
  • Die Preise dafür sind hoch und schwanken stark.

Grüner Dünger in Kenia – ein Beispiel
Deutschland unterstützt in Kenia ein Projekt, bei dem grüner Wasserstoff für die Düngerproduktion genutzt wird.
Das Ziel: Weniger CO₂ und mehr unabhängige Energieversorgung.

Ein Beispiel:
Die Firma TalusAg betreibt in Kenia eine Anlage, die aus Sonnenenergie jeden Tag eine Tonne Ammoniak herstellt. Dieser Dünger wird dann bei der Kenya Nut Company eingesetzt.

Aber: Ammoniak-Gas ist gefährlich. Es kann in Lachgas umgewandelt werden, wenn es falsch eingesetzt wird. Damit das nicht passiert, muss es tief in den Boden eingebracht werden – das geht meist nur mit teuren Maschinen und bei Monokulturen.

Außerdem:

  • Die Technik ist teuer.
  • Sie braucht viel Wasser.
  • Sie ist kompliziert in der Anwendung.

Die vielen kleinen Betriebe in Afrika und Asien produzieren das meiste Essen. Für sie ist das nicht machbar.

Fazit

Grüner Wasserstoff und grüner Dünger können helfen, das Klima zu schützen.
Aber: Sie sind teuer, kompliziert und bringen neue Abhängigkeiten.
Für kleine Bäuerinnen und Bauern, die oft ohne Maschinen arbeiten, sind diese Lösungen oft nicht geeignet.

So wird diese Technologie wohl nur einen kleinen Beitrag zur weltweiten Ernährung leisten können – und ersetzt keine nachhaltige Landwirtschaft.

 

Wer ist die Autorin?

Tina Marie Jahn arbeitet beim INKOTA-netzwerk. Dort kümmert sie sich um die Themen Ernährung in der Welt und Landwirtschaft in anderen Ländern.